Weshalb etwas dagegen tun?

Das Artensterben - oft wird davon berichtet in den Medien. Doch welche Gründe gibt es dafür? Diese Frage ist sehr wichtig, will man etwas für den Erhalt der Artenvielfalt tun.

Was mir jedoch noch wichtiger erscheint, ist die Frage, warum eigentlich eine Vielfalt der Arten nötig ist.
Das Argument vieler, die die Bedrohung des Artensterbens partout nicht eingestehen wollen stellt sich folgendermaßen dar.

Wen interessiert es beispielsweise, wenn die Frösche aussterben? Was hat man davon, wenn sie existent sind?
Gleiches gilt für den Storch.
Gut - es ist ein schönes Bild einen Storch zu betrachten und es ist ganz schön das Konzert der Frösche in einer lauen Sommernacht zu hören - vorausgesetzt es findet nicht vorm Schlafzimmerfenster statt, in dem man gerade schlafen möchte.
Aber man kann auch ein von Menschen inszeniertes Konzert genießen oder schlicht das Radio aufdrehen und sich Techno, Rock oder Pop anhören - je nach Geschmack.

Auch ein Storch ist zwar schön anzusehen, aber mehr auch nicht. Da kann man sich auch im Kino den neusten Film über Tiere an die sprechen können, eine Komödie oder aber einen Action-Film anschauen.

Warum also den Storch schützen - oder eben den Frosch?

Zusätzlich werden wirtschaftliche Argumente in den Vordergrund gestellt. Wenn ein Bauvorhaben geplant ist, das der Region Millionen bringt und Arbeitsplätze schafft oder sichert, wen interessiert da noch ein Frosch, der in einem Tümpel herumquakt?
Was dann zählt ist das Geld und der eigene Vorteil, der Profit. Schließlich kann man sich für das Gequake eines Frosches nichts kaufen und auch der Anblick eines seltenen Vogels, wie dem Storch bringt in der Regel nichts ein.

Die dritte Möglichkeit einer Argumentation ist die harmloseste.
Denn es gibt viele Menschen, die das Problem des Artensterbens durchaus erkennen, aber davon ausgehen, dass sie sowieso nichts dagegen tun können. Also versuchen sie es erst gar nicht und unterstützen somit das fortschreitende Aussterben von Arten.

Das sind die Hauptargumente derer, die nichts für den Erhalt der Lebensräume tun bzw. sogar zu einem Artensterben beitragen, indem sie den Lebensraum von Tieren und Pflanzen aktiv zerstören.

Und nun drängt sich die Frage auf, warum denn die Vielfalt der Arten auf der Erde schützen muss.
Genauer gesagt: Was hat man von den vielen Tierarten?

Eine durchaus berechtigte Frage. Wieso ist es wichtig, dass es möglichst viele Arten gibt?

Eine ganz leichte Frage und es gibt auch eine ganz leichte Antwort, die da lautet: "Ökologisches Gleichgewicht"!
Ich weiß, dass auch dieser Ausdruck schon sehr abgenutzt klingt. Doch er ist die Antwort auf alle Zweifel, die ich oben aufgeführt habe.

Lassen Sie mich ein kleines Beispiel dafür anführen und es Ihnen in Form einer kurze Reise in die Natur näherbringen.
Folgen Sie mir auf einen kleinen Acker, auf dem Äpfel angebaut werden. Alle sind von der gleichen Sorte, das Gras, das die Erde bedeckt ist kurz geschnitten. Die Natur wurde auf diesem Flecken Erde den Bedürfnissen des Bauern angepasst.
Wir gehen nun etwas näher an die scheinbar kerngesunden Bäume heran und - siehe da - so gesund sind sie wohl gar nicht. Denn wir blicken auf die Unterseite von einigen Blättern und bemerken, dass sich dort etliche, kleine, unscheinbare, grüne Blattläuse tummeln.

Als der Bauer uns bemerkt kommt er zu uns uns. >Das ist das feuchte Wetter dieses Jahr.<, sagt er mit krächzender Stimme. >Aber das ist kein Problem. Ein bisschen von dem hier und weg ist das Ungeziefer.<. Er deutet dabei auf eine kleine Packung, auf dem tatsächlich ähnliche Tierchen abgedruckt sind, wie sie an dem Blättern der Apfelbäume sitzen.
Nun gut, wieder einmal passt der Mensch die Natur seinen Bedürfnissen an.

Nach einigen Tagen kommen wir erneut zu dem Acker und blicken auf die Blätter. Die kleinen, schadenen Tierchen sind weg. Kein einziges hat die Giftattacke überlebt.
Wir blicken auf die Erde und sehen dort einen gepunkteten Glücksbringer sitzen - einen Marienkäfer.
Bei näherer Betrachtung müssen wir feststellen, dass der Käfer tot ist.
War das Gift daran schuld? - Fragen wir uns. Es liegt zumindest nahe, dass der sogenannte Nützling ebenso den Giftangriff nicht überlebt hat.

Wir suchen nach weiteren Käfern dieser Art. Fehlanzeige - wir finden keinen weiteren.
Dabei hätten sie doch dem Bauern mehr helfen können, als man denkt. Denn eine Larve dieses Käfers vertilgt im Schnitt über 500 Blattläuse und auch als ausgewachsener Käfer könnten sie dem Bauern weiterhin als Schädlingsvertilger behilflich sein.
Doch durch den Gifteinsatz hat er dem einzigen Käfer dieser Art den Garaus gemacht.
Nach einiger Zeit entdecken wir eine Meise, die eifrig auf einem der Apfelbäume herumpickt. Eigentlich hätte sich auch dieser Vogel von den Blattläusen ernähren können. Stattdessen bedient er sich an einigen Insekten, die sich unter der Baumrinde befinden und die Giftattacke überlebt haben.
Doch die Insekten sind belastet durch die eingesetzten Insektizide - und die Meise nimmt daher in kleinen Dosen das Gift ebenso auf. Dies macht sich in Genveränderungen bemerkbar. Eierschalen werden dünner und das darin wachsende Leben kann nicht bestehen.Dadurch geht die Population dieser Meisenart zurück.

Aber nicht nur das. Auch Raubvögel, wie der Turmfalke, nehmen das Insektengift auf. Denn sie fangen unter anderem auch Singvögel. (Bild eines Turmfalkes bei der Jungenaufzucht in einem verlassenen Elsternnest).

So, wie hier geschildert, hängen alle Tier- und Pflanzenarten voneinander ab.
Gibt es beispielsweise keine Marienkäfer in einem Gebiet, so gibt es umso mehr Pflanzenschädlinge, wie die Blattläuse. Dadurch muss der Bauer mehr Insektizide einsetzen und diese nimmt der Endverbraucher letztlich zu sich.

Fehlt die Futterpflanze einer Falterart, so ist in diesem Gebiet nicht nur die Pflanze verschwunden, sondern auch die Falterart. Vögel, die sich auch von Raupen und Schmetterlingen ernähren, steht weniger Futter zur Verfügung. Damit wird auch die Jungenaufzucht schwieriger. Fehlen nun auch noch zusätzlich Futterpflanzen und Nistgelegenheiten, dann schwindet auch mehr und mehr die Anzahl der bestimmten Vogelart. Dadurch gibt es noch weniger Fraßfeinde für Schädlinge und ein noch größerer Einsatz von Insektiziden ist nötig.

Igel brauchen zum Überwintern Laubhaufen oder ähnliches. Sind diese nicht vorhanden, verschwinden diese nützlichen Tiere aus unserer Landschaft.
Wen interessiert das? - Jeden, der Salat anbauen will. Denn Igel vertilgen große Mengen an Schnecken. Fehlen diese Tiere, so ist der Einsatz von Gift nötig, um die Schnecken zu bekämpfen.
Gleiches gilt übrigens auch für die Mäusepopulation. Diese wird in der Regel von Igeln reduziert. Gibt es diesen natürlichen Fraßfeind des kleinen Nagers nicht mehr, so vermehren sich die Mäuse wie wild. Das Bekämpfen mit Gift oder Fallen wird nötig.

Ich könnte nun unendlich weiter fortfahren mit der Aufzählung von natürlichen Gleichgewichten, deren Erhaltung existenziell wichtig ist. Aber ich glaube, dass diese Argumente genügen, um die erste und wichtigste Frage zu beantworten - nähmlich die, warum wir eine Artenvielfalt brauchen.

Frage Nummer 2 ist ähnich zu beantworten. Denn an den vielen Lebensmittelskandalen sieht man, was es bedeutet, wenn man nur nach dem Profit seine Handlungen festlegt.
Will man möglichst viel Gewinn machen, so muss man nach dem Motto "Masse statt Qualität" verfahren. Und was das Resultat von solchen Planspielereien ist kann man sehr gut an der BSE-Krise, den Dioxinskandalen und den vielen anderen Eklats in der Lebensmittelbranche erkennen.

Nun bleibt nur noch Frage drei. Was kann ich schon tun, damit sich etwas ändert?

Das ist eine gute Frage und meine Antwort darauf lautet schlicht "etwas".
Jeder kann "etwas" tun, seinen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten.
Wie, das können Sie unter "Was tun...?" lesen.


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Was tun...?