AKTIONMEISE

Es ist Ende Februar

Der Nistkasten wurde aufgehängt. Hängt ein Nistkasten schon ein Jahr lang und wurde darin gebrütet, sollte man zu dieser Zeit das alte Nest entfernen, um den neuen "Untermietern" ein sauberes "Häusschen" zu bieten.
Über den Winter sollte man dagegen das Nistmaterial in dem Nistkasten belassen, da das wärmende Material sowohl als Schlafplatz für Singvögel, als auch als Unterschlupf für die eine oder andere Maus oder für Insekten dienen kann.

Bringt man jedoch einen neuen Nistkasten an, muss man einiges beachten.
So ist es z.B. sehr wichtig, dass das Flugloch nicht zur Wetterseite (regulär Westen) zeigt. Die beste Himmelsrichtung liegt meist südöstlich.

Es darf nicht in den Nistkasten hineinregnen (durch Ritze, durch das Einflugloch in Folge einer zu schrägen Aufhängung) und der Kasten sollte mindestens 2 Meter über dem Boden aufgehängt werden.

Aber Vorsicht! Hängen Sie den Nistkasten nicht in der Nähe von „Publikumsverkehr“ auf. Auch sollte darauf geachtet werden, dass keine Katze oder ein anderes Raubtier an den Kasten gelangen kann.
Dies kann u.a. durch einen Katzenschutzring (stachelige Manschette, die um den Baumstamm- oder ast gelegt wird), durch befestigte stachelige Zweige am Stamm des Baumes in über einem Meter Höhe oder durch ein mindestens in einem Meter Höhe befestigtes mind. 50 cm langes Stück gewelltes Kunststoff (das auch als Dachabdeckung im Handel angeboten wird)

Und noch etwas enorm wichtiges. Schauen Sie nicht in den Kasten, nur um sehen zu können, ob das Paar schon Eier gelegt hat oder ob gar die Jungen geschlüpft sind.
Sie laufen sonst Gefahr, dass Sie die Elterntiere vertreiben oder dass sie den Menschengeruch an ihrem Gelege riechen. Sollte dies der Fall sein, werden die Elternvögel ihr Gelege oder ihre Jungtiere verstoßen und die Brut verhungert.

Diese Aufnahme erfolgten mit einer eigenst in einem Nistkasten installierten Infrarot-Kamera und stellten zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für den Bruterfolg dar! Also - auch ein kurzer Blick kann die Jungvögel gefährden!

31.03.05

Erste Moosstücke befinden sich im Nistkasten. Ist es nur eine Übernachtungsstätte für eine Meise, der die noch recht frischen Temperaturen zu kühl sind?

01.04.05

Die Anzeichen eines Nestbaues verdichten sich - und mit ihnen der Moosbelag am Boden des Nistkastens.

02.04.05

Ab jetzt herrscht Klarheit.
Jawohl, ein Kohlmeisenpaar hat es sich überlegt, in meinem Nistkasten zu bauen.

Wie auf dem Bild zu sehen ist, sortiert eines davon gerade das Moos mit Hilfe des Schnabels und des Bauches.

03.04.05

Die über vier Stunden lange Aufnahme zeigt keinerlei Aktivitäten mehr. Haben sich die Meisen wieder aus dem Nistkasten verabschiedet? Ober wurden sie vielleicht von der Katze gefangen? Alle Hoffnung liegt auf dem nächsten Tag.

05.04.05

Scheinbar hatten die Meisen nur eine kleine Pause gemacht, denn heute sind sie wieder im Nistkasten herumgewuselt und haben damit begonnen, das Moosnest mit Haaren auszupolstern.

06.04.05

Die Innenraumverschönerung läft nur äußerst schleppend. Das Päärchen legt wohl größeren Wert darauf, sich in der warmen Frühlingssonne zu wärmen. Sie tauchen einmal mehr nur kurz auf, die restlichen vier Stunden herrscht Ruhe auf dem Videoband.

07.04.05

Auch heute ruhen sich die Meisen wohl wieder etwas aus. Außer kleiner Schönheitsveränderungen tut sich nichts im Hause Meise.

08.04.05

Kurze Baumaßnahmen finden auch heute statt, allerdings sind die Meisen mehr mit der Futtersuche beschäftigt.

09.04.05

Endlich - die Feinarbeiten kommen langsam aber sicher in die Endphase. Das Nest wird noch mit einigen Federn und weiterhin Haaren ausgegleitet. Bald wird wohl das Weibchen mit der Eiablage beginnen. Die Spannung steigt.

10.04.05

Außer einigen Gastauftritten habe ich die Meisen heute nicht oft gesehen. Die beiden Male, bei denen sie auf der Aufzeichnung sichtbar wurden, konnte man jedoch erkennen, dass sie einige Haare für die Auspolsterung des Nestes einbauten (wohl Hundehaare).

11.04.05

Und auch heute fand sich nur eine der beiden Meisen in dem Nistkasten kurz ein, um noch einiges Polstermaterial einzufliegen und sich kurz auszuruhen.

12.04.05 - 21.04.05

Fast zehn Tage geschieht annähernd gar nichts im Nistkasten, außer, dass noch einige Feinarbeiten vorgenommen werden. Ein Federchen hier, ein paar Tierhaare dort. Und die Bewohner tauchen auch nur sehr selten auf.
Haben sie sich vielleicht woanders eingenistet und nutzen diesen Kasten nur als Zweitwohnsitz? Nein, normalerweise kommt es vor, dass Meisen tatsächlich in Nistkästen ein dünnes Nest bauen, um nachts nicht zu frieren. Dazu wäre aber dieses Nest zu dicht und vor allem zu gut gefertigt.
Daher keimt in mir allmählich die Ungeduld und vor allem Bedenken. Fühlen sich die Meisen etwa beobachtet? - Wohl eher unwahrscheinlich.

22.04.05

Ein Blick auf das Videoband zeigt das Meisenweibchen in einer ungewöhnlichen Haltung. Es streckt den Schwanz nach oben, während der Kopf im Nest steckt. Was ist passiert? Ist es etwa...?

Tatsächlich - der dicke Bauch des Weibchens, der mir in den letzten Tagen aufgefallen ist, beherbergte also doch nicht nur Speck, sondern jede Menge Eier. Und ich hatte die Ehre und durfte Zeuge von der Eiablage sein.
Das Weibchen legt Ei für Ei und ihr Partner kommt regelmäßig angeflogen, um seine "Meisin" zu füttern. Mal ein Wurm, mal ein Samenkorn - so lange, bis die Eiablage endlich zuende ist - nach über 50 Minuten.


Kein Wunder, dass es so lange gedauert hat. Schließlich hat die Meise insgesamt 11 Eier gelegt. Erstaunlich, bedenkt man, wie klein eine Meise ist und wie groß ein Meisenei.
Die Eier haben nämlich etwa eine Länge von 2 cm, eine Breite von 1 cm!

24.04.05

Ein Tag nach dem großen Ereignis ist die Mutter voll in ihrem Element - zumal ich zwei weitere Eier erkannt habe. Also hat der Vogel nicht 11, sondern stolze 13 Eier gelegt.
Diese brütet sie nun aus und heizt durch ihr dickes, aufgeplustertes Daunengefieder und auch durch Atmen in das Nest hinein die Eier auf. Nur für kurze Zeit fliegt sie aus, um sich die Flügel zu "vertreten" und um Beutetiere zu fangen.

Ihr Partner bringt ihr auch regelmäßig Futter, sodass sie nicht allzu oft das Nest verlassen muss.

25.04. - 06.05.05

Die Meise brütet und brütet - in der Regel über insgesamt 10 bis 14 Tage.

Das Männchen füttert in der Zeit seine Partnerin mit allerlei Insekten und Körnern.

05.05./ 06.05.05

DIE "GEBURT"
Heute, also am 06.05., war es soweit. Zunächst glaubte ich, wieder nur die brütende Meisen-Mutter zu sehen. Doch dann begab sie sich kurz nach draußen und - siehe da! Die Küken sind auf der Welt. Noch völlig ohne Federn, nackt, blind und beinahe stumm. Nur ein sehr leises Fiepen kann man vernehmen.

Während die Mutter fast ausschließlich dafür sorgt, dass ihre Jungen warm gehalten werden, fliegt der Vater aus, um Futter zu besorgen und gibt es mal der auf den Jungen sitzenden Mutter, damit diese die Neuankömmlinge füttert. Und ein anderes Mal ist die Mutter kurz ausgeflogen und der Vater übernimmt das Füttern.

Wenn den Tieren mehr Federn wachsen, werden sie auch besser zu erkennen sein. Aber dazu später mehr...

Die folgenden Tage...

Die Jungen wachsen sehr schnell, ihre Federn werden dichter, ihr Pfeifen lauter - doch leider werden es auch weniger.
Gestorbene Junge werden aus dem Nest gebracht. Dabei konnte ich die Vögel nicht beobachten. Doch die Elterntiere kümmerten sich aufopferungsvoll um ihre Jungen. Auch bei der Nestpflege ist mir eine gute Aufnahme gelungen.

Nachdem die Tiere zuerst nur unmerklich Federn bekamen, konnte ich nach etwa 12 Tagen ein relativ dichtes Federkleid erkennen.


Vier Jungvögel überlebten die Tage im Nistkasten - von ursprünglich 13 Eiern. Eine schwere Zeit - für die Eltern und die Jungen.
Nachdem normalerweise im Mai relativ trockenes Wetter herrscht, war es dieses Jahr feucht und kalt. Das bedeutete für die Meisen eine harte Suche nach Essbarem und das Risiko, dass ihre Jungen durch die feuchte Witterung erkrankten.
Doch die Beiden haben es geschafft!

Am 28. Mai flogen die Jungen aus und zwitschern nun im Garten herum.

Auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr!